Vom Glück allein zu reisen

Warum ich begonnen habe alleine zu verreisen und welche positiven Erfahrungen ich damit gemacht habe.

Für viele Menschen mag es eine Selbstverständlichkeit sein alleine zu verreisen, für andere wiederum ist es eine unvorstellbare Aufgabe. Ich gehörte lange Zeit zur zweiten Sorte Mensch. Noch vor wenigen Jahren konnte ich mir nicht einmal vorstellen, alleine auf einen Kaffee zu gehen, geschweige denn alleine auf Urlaub zu fahren. Schließlich hatte ich auch lange Zeit das Glück mit meinem Mann in Punkto reisen auf einer Wellenlänge zu sein. Wir bereisten über viele Jahre aufregende Länder – von Japan über Südafrika bis Kolumbien. Doch nach 17 Jahren trennten sich unsere Wege und von heute auf morgen war mein fixer Reisepartner aus meinem Leben verschwunden.

Es klingt vielleicht albern, aber eine meiner größten Sorgen im Zuge der Trennung war der Gedanke: „Mit wem soll ich bloß in Zukunft auf Urlaub fahren?“ Zu Beginn überlegte ich oft, mit welcher meiner (Single-)Freundinnen ich reisetechnisch kompatibel wäre. Ich stellte mir die Frage: Hat Freundin A die selben Reisebedürfnisse wie ich und könnte sie sich zur selben Zeit frei nehmen? Möchte Freundin B ihren Urlaub nicht doch lieber mit ihrem Freund verbringen? Gedanklich schrieb ich meine Reise-Abenteuer schon ab und sah mich in Wien versauern.

Doch irgendwann dämmerte es mir: Ich war schließlich beruflich immer wieder alleine in London gewesen. Teilweise wochenlang. Da hatte ich auch keinen festen Partner dabei mit dem ich meine Abende und Wochenenden verbrachte. Und dennoch war es eine der besten Zeiten meines Lebens. Warum also nicht auch alleine in den Urlaub fahren?

Yogaurlaub als sanfter Einstieg

Meine Freundin Berni hatte mir schon oft von ihren Yoga-Reisen vorgeschwärmt. Letzten Sommer ließ ich mich schließlich von ihren Tipps inspirieren und buchte meinen ersten Urlaub nur für mich: ein Yoga-Retreat auf der griechischen Insel Kos.

Yogareisen sind meiner Meinung nach der ideale Einstieg, um alleine Urlaub zu machen, denn auch wenn man alleine anreist, so hat man doch die Sicherheit eine Gruppe vor Ort zu haben, der man sich anschließen kann, wenn das Bedürfnis nach Gesellschaft aufkommt. In meiner Woche auf Kos genoss ich beides. Die Aktivitäten mit der Gruppe erlebte ich als sehr angenehm und bereichernd: das Yoga, die Wanderungen in den Bergen und das tägliche gemeinsame Frühstück und Abendessen. Aber mindestens genauso genoss ich die Zeit, die ich alleine verbracht habe. Ich bin mehrmals mit dem Fahrrad nach Kos Stadt geradelt, habe Sehenswürdigkeiten bestaunt, Kaffeehäuser unsicher gemacht und vor allem den Strand genossen. Nur mit mir selbst und einem guten Buch am Strand zu liegen und auf das Wasser zu blicken war eine Wohltat, die ich mir vor wenigen Jahren so noch nicht vorstellen konnte.

Offen für neue Begegnungen

In unserer bunt zusammengewürfelten Yogagruppe waren auch zwei Pärchen dabei. Yoga-Urlaub kann man schließlich auch als Paar machen. Doch ist mir rasch aufgefallen, dass es den Pärchen am wichtigsten war, Zeit zu zweit zu verbringen. Dadurch haben sie an weniger Gruppenaktivitäten teilgenommen und sich auch nicht ganz so offen und intensiv mit den anderen TeilnehmerInnen ausgetauscht.

Meine Erkenntnis ist, dass man als Allein-Reisende leichter neue Menschen kennenlernt und offener für Begegnungen ist. Ja, ich habe wieder einmal erfahren, dass man überall auf der Welt tolle Menschen treffen kann. Menschen aus den verschiedensten Ländern, in den verschiedensten Altersgruppen und Lebenssituationen. Und auch wenn nicht gleich eine Freundschaft daraus entsteht, ist es doch ein sehr bereicherndes Erlebnis.

Besonders beeindruckt hat mich die Holländerin H. die mit Mitte 60 zum ersten Mal alleine in den Urlaub gefahren ist – und das obwohl sie nur gebrochen englisch spricht und noch dazu etwas schlecht hört. Man merkte ihr an, dass sie die Zeit in vollen Zügen genoss. Sie war eine echte Inspiration für mich, und sie hat mir wieder einmal gezeigt, dass es nie zu spät ist, sich etwas zu trauen und etwas Neues zu versuchen.

Sunset Meditation auf Kos

Neue Reisepläne für die Zukunft

In diesem Moment sitze ich im Zug nach Triest und schaue beim Fenster hinaus in den kühlen Jänner-Tag. Ich bin alleine unterwegs und ich liebe es. Auch im Frühling oder Frühsommer möchte ich wieder alleine verreisen. Derzeit steht Teneriffa oder das spanische Festland auf meiner Wunschliste. Und auch eine Fernreise steht gegen Ende des Jahres eventuell noch an. Diese werde ich mit einer (oder mehreren) lieben Freundin(nen) machen. Aber wer weiß, vielleicht traue ich mir in Zukunft auch zu, eine Fernreise alleine zu unternehmen.

Inspirierende Vorbilder gibt es schließlich genug. Eine hat es mir besonders angetan und sie liefert auch gleich die perfekte Lektüre fürs Allein-Reisen. Die slowenische Schriftstellerin Alma Karlin ist im Jahr 1919 (!) zu einer Weltreise aufgebrochen und hat ohne große finanzielle Mittel mehrere Jahre lang alleine die Welt bereist. Ihre aufwühlenden und abenteuerlichen Erlebnisse kann man in ihren Reisetagebüchern nachlesen. Eine eindeutige Leseempfehlung für alle Frauen, die gerne mal alleine verreisen (möchten).