Sri Lanka stand bereits seit langer Zeit auf meiner Reise-Wunschliste. Schon vor 7 Jahren hatte ich mir einen Reiseführer gekauft und begonnen eine mögliche Route zu planen. Doch dann kam eine Pandemie, eine Scheidung und eine Neuorientierung des Lebens dazwischen und für eine Fernreise auf die Insel im indischen Ozean gab es lange Zeit keine passende Gelegenheit.
2024 begann ich dann mit meiner Freundin Maggie endlich konkrete Pläne zu schmieden. An einem grauen Sonntag im November machten wir Nägel mit Köpfen und buchten bei Kaffee und Kuchen im Ponykarussell mehr oder weniger spontan einen Flug nach Colombo. Drei Monate später ging es los und wir reisten 18 Tage lang auf eigene Faust durch das sympathische und vielfältige Land. Hier verrate ich euch, welche Dinge mich während der Reise besonders überrascht haben.
1. Zu Fuß gehen ist ein schwieriges Unterfangen

Meine erste Erkenntnis war zugleich die größte und vielleicht auch die einzige Enttäuschung der Reise. Ich bin jemand, der einen neuen Ort am liebsten zu Fuß erkundet. Einfach ins Stadtzentrum fahren und drauflosspazieren. Das Flair aufnehmen, Geschäfte und Cafés entdecken und das Treiben auf der Straße beobachten. Genau diesen Plan hatten wir auch für Colombo und Kandy geschmiedet. Doch den Versuch eines Spaziergangs haben wir schon nach wenigen Minuten abgebrochen. Der stressige Verkehr, fehlende Gehsteige und die Hitze machen das Flanieren nahezu unmöglich oder zumindest ziemlich unangenehm. Also haben wir uns zähneknirschend dann doch mit dem TukTuk von A nach B bringen lassen. Das war am Ende trotz der halsbrecherischen Fahrmanöver um einiges entspannter. Aber Achtung: Wenn man sich ins „City Center“ fahren lässt, landet man meist direkt vor einem Einkaufszentrum. Die heißen nämlich genau so: „City Center“ wie wir mehrmals amüsiert festgestellt haben. 😆
2. Preisverhandeln klappt nur selten
Apropos TukTuk: Der Fahrpreis ist eines der wenigen Dinge in Sri Lanka, die sich verhandeln lassen – am besten noch vor dem Einsteigen. Ansonsten haben wir die Erfahrung gemacht, dass die Preise für Touristen ziemlich fix sind. Sei es bei den fliegenden Händlern im Zug oder bei Straßenständen. Etwaige Verhandlungs-Versuche stießen hier meist auf Unverständnis. Generell sind die Preise in Sri Lanka nicht ganz so günstig wie in anderen asiatischen Ländern, vor allem an touristischen Orten wie in Ella oder an der Südküste. Aber für uns Europäer ist dennoch das meiste sehr gut leistbar.

3. Unerwartet einsame Strände
Dass der Tourismus in Sri Lanka boomt, merkt man nicht nur in den typischen Touristenorten. Viele Reisende aus der ganzen Welt tummeln sich zwischen Colombo, Kandy und den Stränden im Süden der Insel. Doch wenn man sich nur ein kleines bisschen außerhalb der großen Touristen-Zentren aufhält, erwartet einen ein überraschend ursprüngliches Reiseerlebnis. Mein Tipp: Statt Herbergen in den Ortszentren zu nehmen, sollte man sich etwas außerhalb einquartieren – zum Beispiel in den grünen Hügeln oberhalb von Kandy oder Ella.

Selbiges gilt für die Badeorte im Süden. Wir wohnten rund 7 km außerhalb der Stadt Tangalle und hatten direkt vor der Haustüre eine wunderbare Bucht, in die sich pro Tag mitten in der Hauptsaison gefühlt gerade einmal 10 Menschen verirrten.

Besonders toll ist das charmante Strandlokal Ran Lakshmi Paradise Beach, das sich in der Bucht befindet. Wie der Name schon verrät, ist es ein echtes Paradies und war für mich einer DER Lieblingsorte auf der Insel. Der sympathische Chinthka, der nach 20 Jahren Gastronomie-Karriere in Deutschland wieder in seine Heimat Sri Lanka zurückgekehrt ist, betreibt das Lokal und kocht nicht nur fantastisch, sondern serviert auch grandiose Drinks. Wer in der Gegend unterwegs ist, sollte unbedingt auf einen Plausch vorbeischauen!


4. Schön scharfes Frühstück
Apropos gutes Essen: ich hatte ja von der Sri Lankischen Küche vor meiner Reise relativ wenig Ahnung. Aber ich freute mich schon auf die legendären gewürzreichen Currys von denen mir einige Bekannte schon berichtet hatten. Und die haben es wirklich in sich: Chili, Kurkuma, Zimt, Pfeffer – die ikonischen Gewürze fehlen in fast keinem Gericht. Dementsprechend scharf sind viele der typischen Speisen. Wenn man sich durchkosten will, sollte man also nicht allzu zimperlich sein. Selbst zum Frühstück wird oft schon (mittel-)scharfes Dal oder Curry serviert. Etwas gewöhnungsbedürftig, aber lecker! Ich bin mittlerweile Rice & Curry-süchtig und auch Schärfe-technisch zum Glück einigermaßen abgehärtet. 😉


5. (Noch) eine ziemliche Männerwirtschaft
Egal ob Koch, Kellner, Verkäufer oder TukTuk-Fahrer, beim Herumreisen ist uns relativ rasch aufgefallen, dass die Gesellschaft in Sri Lanka nach wie vor sehr männerdominiert ist. Männer sind in der Öffentlichkeit und besonders im Tourismus viel präsenter als Frauen. Vor allem außerhalb der Hauptstadt hat man es in Geschäften, Hotels und Restaurants hauptsächlich mit Männern zu tun. Dies liegt am nach wie vor recht traditionellen Rollenbild auf der Insel. Die Frau bleibt zu Hause, kümmert sich um Haushalt und Kinder, der Mann geht arbeiten und verdient das Geld.
Auch wenn es für uns Westler*innen anfangs etwas ungewohnt ist ständig (fast) nur mit Männern zu tun zu haben, so muss man sich wegen aufdringlichem Verhalten zum Glück keine Sorgen machen. Ich habe die Menschen in Sri Lanka generell nicht als sonderlich aufdringlich, sondern eher als neugierig und interessiert erlebt. Man sollte sich also nicht wundern, wenn man viele Fragen gestellt bekommt. Zum Beispiel wo man herkommt, ob man verheiratet ist und wie viele Kinder man hat. Die Lebenswelt einer 40-jährigen kinderlosen Single-Frau ist für viele Einheimische wohl ähnlich nachvollziehbar wie die eines Alien. Aber ich gebe ja ganz gerne Auskunft über mein Alien-artiges Leben mitten auf der Erde und erkläre, dass man auch ohne Ehemann, Haus und eigene Kinder sehr glücklich sein kann. 😉
Und immerhin scheint es gesellschaftspolitisch etwas Bewegung zu geben, denn erst kürzlich hat das erste rein von Frauen betriebene Hotel Sri Lankas eröffnet. Vielleicht schaffe ich beim nächsten Mal einen Abstecher dorthin.

6. Land der Pfaue
Dass mich auf der Reise eine derartig bunte und üppige Tier- und Pflanzenwelt erwarten würde, hatte ich mir so nicht gedacht. Dschungel-Landschaften, wunderschöne Berge, Teeplantagen, Seen, Wasserfälle, Traumstrände – auf Sri Lanka spielt die Natur wirklich alle Stückeln. Und auch auf viele interessante Tierbegegnungen sollte man sich einstellen. Affen, Leguane und Elefanten trifft man manchmal sogar beim Sightseeing, zum Beispiel in Sigiriya.


Geradezu omnipräsent ist aber der Pfau. Der majestätische Vogel mit seinem eleganten Federkleid spaziert nahezu in jedem Garten oder Wäldchen herum. Ich kann gar nicht zählen wie viele Pfaue ich während der Reise gesehen und vor allem gehört habe. Der Pfauen-Ruf klingt für mich wie eine Mischung aus Katzen- und Vogelgeschrei, etwas schräg aber auf jeden Fall einzigartig. Mich erinnerte er an den alten Kula Shaker Song „Govinda“, der mit dem typischen Pfauengeschrei eingeleitet wird. Auch wenn der Song eigentlich einen indischen Ursprung hat, so ist er doch ein sehr passender Soundtrack für eine Reise durch das spannende Sri Lanka.