Hier verrate ich euch mindestens 3 Gründe, warum man sich das spanische Baskenland mit seinen Städten San Sebastián und Bilbao nicht entgehen lassen sollte.
Endlich Spanien
Spanien war für mich lange Zeit ein weißer Fleck auf der Reiselandkarte. Zwei kurze Städtetrips nach Barcelona und Madrid, das war alles, was ich von dem Land kannte. An mangelndem Interesse lag es nicht – aber Italien und Kroatien lagen in der Vergangenheit einfach näher, wenn es mich in den Süden zog.
Für dieses Jahr habe ich mir aber endlich vorgenommen etwas mehr von Spanien zu entdecken. Im Frühjahr war ich mit einer Freundin eine Woche auf den Kanaren, genauer gesagt auf Teneriffa unterwegs. Und jetzt Ende Mai/Anfang Juni verschlug es mich ins Baskenland nach San Sebastián.
Baskenland – say what?
Zum Baskenland hatte ich nicht besonders viele Assoziationen. Neben der Baskenmütze waren es lediglich ein paar Stichworte aus den Medien, die ich kannte: Unabhängigkeit, ETA, Terror. Aber zum Glück sind diese Zeiten schon länger vorbei.
Heute ist der spanische Teil des Baskenlandes vor allem ein beliebtes Reiseziel, etwas das mir persönlich auch nicht wirklich bewusst war. Es sind vor allem Amerikaner, Kanadier aber natürlich auch viele Europäer die sich in den Gassen und an den Stränden von San Sebastián, Bilbao und Co tummeln.


Die Basken haben eine eigene Lebensart und auch eine eigene Sprache „Euskara“ die hier omnipräsent ist. Gerade in San Sebastián findet man kaum etwas das nicht auf baskisch angeschrieben ist: Schilder, Werbungen, Speisekarten. Was ich nicht wusste: Euskara ist nicht nur eine der ältesten Sprachen sondern auch eine isolierte Sprache und mit keiner anderen Sprache verwandt – auch nicht mit dem Spanischen. Ich habe mich beim Lesen der baskischen Worte immer wieder dabei ertappt, zu versuchen, sie zu verstehen und zu interpretieren. Aber da hat man tatsächlich keine Chance. So hab ich mich dann doch lieber mit meinem gebrochenen Spanisch und ein bisschen Google Translate durchgeschlagen. Englisch ist ja langweilig! 😆
Pintxos-Liebe
Warum sollte man nun also die Reise nach Nordost-Spanien antreten? Fangen wir mit dem Wichtigsten an: Dem Essen! Das Baskenland ist bekannt für seine kulinarische Tradition der Pintxos (Pinchos) Bars. Sie reihen sich in den Städten wie Perlen aneinander und versorgen Einheimische sowie Touristen mit ausgezeichneten Häppchen und guten Weinen. Typischerweise bestellt man an der Bar: ein kleines Bier oder einen Txakoli (Weißwein), zwei, drei Pintxos und genießt die Köstlichkeiten ganz unkompliziert an einem Stehtisch, bevor man wieder weiterzieht.
Pintxos sind dabei tatsächlich mehr als Tapas. Gut, es gibt natürlich auch typische Tapas-Gerichte wie Tortillas, Brote mit Jamón Serrano oder Croquetas. Diese sind oft direkt an der Bar in einer Vintrine drapiert. Aber das wirklich Spannende sind die warmen Pintxos, die üblicherweise auf Tafeln angeschrieben sind und die nach dem Bestellen frisch in der Küche zubereitet werden. Sie sind Köstlichkeiten im Kleinformat und lassen sich nicht wirklich eingrenzen. Auf den Tisch kommen unter anderem gegrillte Artischocken, Oktopus, Tintenfisch, fantasievolle Mini-Burger und vieles Mehr. Für Leute wie mich, die sich gerne durchkosten ist dieses Konzept perfekt.


Spannende Städte
Sowohl Donostia/San Sebastián als auch Bilbao sind spannende und sehenswerte Städte. San Sebastián liegt malerisch am Meer. Die Stadt schmiegt sich an die La Concha Bucht -hier gibt es kaum Bausünden, Hotelburgen sucht man vergeblich. Die Altstadt und die anderen interessanten Viertel (Gros, Antiguo) sind fußläufig oder mit dem Fahrrad gut erreichbar. Am besten flaniert man durch die Gassen bzw. am Meer entlang und lässt sich treiben.
Bilbao ist etwas größer und nicht minder spannend. Die ehemalige Industriestadt hat sich ganz der Kunst und Kultur verschrieben. Das Guggenheim Museum ist natürlich ein Muss auf der To-Do Liste. Aber auch sonst hat die Stadt, die am Fluss Ría de Bilbao liegt, einen tollen Charme. Leider war ich nur einen Tag dort – ich hätte es durchaus länger ausgehalten.


Strände und Berge
Etwas, das ich gar nicht erwartet hatte, war die tolle Landschaft und die Natur im Baskenland die mich sehr begeistert hat. Das atlantische Klima ist zwar nicht besonders stabil – Jacke und Regenschirm müssen zu jeder Jahreszeit definitiv mit ins Gepäck – aber dafür sind die Städte und ihr Drumherum wunderschön grün.
Ich hatte eigentlich nicht vor große Wanderungen zu unternehmen und habe deshalb keine richtige Wanderausrüstung eingepackt. Aber schon die kleinen Wanderungen, die ich gemacht habe, waren unfassbar schön. Der Monte Ulia beispielsweise liegt direkt am Rand von San Sebastian. In etwa 30 Minuten kann man den kleinen Berg erklimmen und wird mit einem atemberaubenden Blick aufs Meer belohnt. Dabei ist man noch dazu (fast) allein unterwegs. Einfach herrlich entspannend!


Natürlich sind auch die Strände in San Sebastián nicht zu verachten. Am Zurriola Beach wird gesurft, am ruhigen La Concha und Ondarreta Strand gebadet. Ich hatte Anfang Juni zumindest zwei richtig sonnig warme Tage dabei – perfekt um sie am bzw. im Wasser zu verbringen. Das Meer war zwar noch etwas frisch aber durchaus angenehm.
Mein Fazit: Wer gerne einen gemütlichen Urlaub mit viel Kultur, Natur und gutem Essen verbringt, der ist im Baskenland gut aufgehoben. Für ganz junge Leute ist es vermutlich etwas zu beschaulich in den kleinen Städten – wie gut, dass ich da nicht mehr dazu gehöre. 😉 Im Juli/August ist das Wetter zwar am stabilsten, aber offenbar ist gerade San Sebastián zu dieser Zeit sehr überlaufen. Also lieber einen Schirm einpacken und im Frühsommer oder Herbst vorbeikommen.
Lokaltipps:
Bar Antonio: Leckere Pintxos in ungezwungener Atmosphäre, unbedingt die Tortilla probieren
Bodega Donostiarra: Traditionelle Pintxos Taverne in Gros
Bar Antzara: Beste Pintxos Bar in Antiguo – hat von früh bis spät geöffnet
Dabadaba: Kleiner Club hinter dem Kulturzentrum Tabakalera mit regelmäßiger Live Musik.

